16 Maggio 2002

Ganz ohne Stallorder

Ganz ohne Stallorder

Schumacher auch mit Sport-Oscar der Schnellste

Monte Carlo – Er kam, siegte und war plötzlich nicht mehr zu sehen. Zu unangenehm war es Formel-1-Star Michael Schumacher offenbar, in Monte Carlo als Weltsportler des Jahres ausgezeichnet zu werden – zwei Tage nach seinem verordneten Sieg beim Grand Prix von Österreich, nach zwei Tagen mit Pfiffen und Vorwürfen. “Ich glaube, Stolz ist das richtige Wort für das, was ich jetzt empfinde“, sagte er, als Boris Becker ihm den Sport-Oscar Laureus überreichte.

Mehr wollte er nicht sagen. Kurzes Foto-Shooting, dann die diskrete Flucht aus dem Grimaldi-Forum. “Morgen um halb sieben geht mein Wecker“, sagte er, will sich ganz auf seinen Job konzentrieren. Doch das ist schwer. Erst die heftige Kritik an dem Überholmanöver gegen Rubens Barrichello, dann die Nachricht, dass die Gemeinde Wolfhalden sein Bauvorhaben in der Ostschweiz wohl nicht genehmigen wird. Gestern ist er in Österreich und Italien auch noch wegen Verdacht auf Wettbetrug angezeigt worden. Ihm droht eine Sammelklage. Die Verbraucherschutzorganisationen “Codacons“ und “Sos Italia“ haben Staatsanwälte eingeschaltet, “Sos“ fordert alle Wettbüros auf, Formel-1-Wetten auszusetzen, “weil sie offenbar manipulierbar sind“.

Durch seinen überstürzten Abgang bekam der heimatlose Frühaufsteher gar nicht mehr mit, dass sein schärfster WM-Verfolger, Juan Pablo Montoya, ihn verteidigte. Der Kolumbianer wurde als Newcomer das Jahres ausgezeichnet, sagte, Schumacher habe “nicht viel damit zu tun, weil er von der Teamorder überrascht worden ist“. Die Regel sollte “ein bisschen klarer aussagen, was erlaubt ist und was nicht“. So lange es eine Grauzone gibt, werde weiter damit operiert. “Ich denke, dieser Vorfall hat Ferrari mehr geschadet als der Formel 1.“

Umso glücklicher dürften die 43 Mitglieder der Laureus Sports Academy sein, dass sie den italienischen Rennstall nicht als Team des Jahres gewählt haben. Diese Ehre wurde bei der glamourösen Gala der australischen Cricket-Mannschaft zuteil. Während in Monte Carlo Jennifer Capriati (USA) ganz unbelastet ihren Titel als Weltsportlerin feierte und ihr Tennis-Kollege Goran Ivanisevic (Kroatien) für das Comeback des Jahres geehrt wurden, geht die Diskussion in der Hochgeschwindigkeitsbranche weiter.

“Der Grundgedanke muss stark bleiben: dass es ein Sport ist und kein Geschäft“, sagte BMW-Sportdirektor Gerhard Berger. Der Chef von Montoya will in Ruhe die Entscheidung des Weltverbandes Fia abwarten, der die Beteiligten für den 26. Juni zu einer Anhörung bestellt hat. Obwohl er von einer Strafe gegen Schumacher profitieren würde, zeigte der Österreicher Verständnis: “Ich muss Michael in Schutz nehmen.“ Man rechne als Fahrer bis zum Schluss damit, dass man noch überholen kann, in der entscheidenden Situation habe der WM-Führende nicht mehr genug Zeit gehabt, sich den Kopf zu zerbrechen. Jetzt schon. Berger: “Ich glaube nicht, dass sich Michael wohl fühlt in seiner Haut.“ Das war in Monte Carlo zu sehen. DW

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